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| DIE DRITTE KAMMER - INTANGIBLE ASSETS (Sindelfingen 2000) Mittelpark jetzt! (7) Problematisch bleibt nach unserer Einschätzung die Tatsache, daß das prinzipielle Interesse der Städte, großen Wirtschaftsunternehmen gute Standortbedingungen zu liefern, unter bestimmten Bedingungen mit dem Mißbrauch des kulturellen Felds bezahlt wird. Speziell in Sindelfingen führte diese Problematik des nutzbringenden "imagetransfers" zu einer merkwürdigen Schieflage der gesamten Situation. Einerseits ist ein Kunstbegriff, der auf so experimeteller Ebene angesiedelt ist, wie es die Zusammenarbeit von Künstlern und Architekten in diesem Kontext bedeutete, im regionalen Bereich einer Kleinstadt wie Sindelfingen noch komplizierter zu vermitteln als im überregionalen - was sich an den Reaktionen des Publikums und der Lokalpresse ablesen ließ. Trotz des Versuchs, mit Bildern und Modellen Verständigung herzustellen, blieb das Ganze in gewisser Weise im Hermetischen stecken, denn die Forderung nach Allgemeinverständlichkeit eines Projektes geht einfach auf Kosten von Komplexität und Dichte an Informationen. Andererseits bedient das kulturelle Sponsoring des Werkes DaimlerChrysler auf seiner Ebene andere Größenordnungen, weil die "intangible assets" (=intellektuelles Kapital) den Marktwert eines globalen Unternehmens nur dann erhöhen, wenn der Sponsoring-Einsatz auch seinem globalen Anspruch Genüge tut. Daher beschränkte sich in unserem Fall das Interesse der Delegation des Sindelfinger Werks auf die ortsspezifische Auseinandersetzung und der kulturelle Rahmen bildete ein zwar willkommenes, aber dennoch für sie nicht unbedingt notwendiges Dekor. Dahingestellt bleibt demnach auch die öffentliche Wirkung dieser modellhaften Ortsverwandlung. Diese Frage stellt sich um so nachdringlicher, als schon die Definition von 'Öffentlichkeit' in diesem Fall zwischen zwei denkbar weit von einander entfernten Maßstabsebenen erfolgen muss: der des global agierenden Konzerns, der seinen Aktionären größere Sentimentalitäten nicht zumuten will und der Maßstabsebene der Stadt und ihrer Bewohner, die sich aller Abhängigkeit zum Trotz das Anrecht auf eine eigene Realität nicht in Abrede stellen lassen wollen. |
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